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Nachlass-Schutz

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Erbe ausschlagen: Frist, Form und Folgen der Erbausschlagung

Wie lange Sie ein Erbe ausschlagen können, in welcher Form, wer dann erbt, was für minderjährige Kinder gilt und was bei verpasster Frist bleibt. Nach deutschem Recht.

Erbausschlagung·Erbfall·Fristen·Nachlassverbindlichkeiten

Eine Erbausschlagung ist die Erklärung, mit der ein berufener Erbe die ihm angefallene Erbschaft zurückweist. Die Erbschaft geht auf ihn zunächst unbeschadet seines Rechts über, sie auszuschlagen (§ 1942 Abs. 1 BGB). Die Ausschlagung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht (§ 1945 Abs. 1 BGB). Sie kommt vor allem in Betracht, wenn der Nachlass überschuldet oder unklar ist, und ist nur innerhalb einer kurzen Frist möglich.

Rechtsstand und Grenzen: Dieser Überblick gibt den Wortlaut der amtlichen Fassungen wieder, abgerufen am 02.11.2026, einzelne Vorschriften am 17.10.2026. Was nicht ausgewertet wurde und welche Fragen offen bleiben, steht am Ende. Der Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.

Ergebnis vorweg: Die Ausschlagung ist nur binnen sechs Wochen möglich, ab Kenntnis von dem Anfall und dem Grund der Berufung; bei Berufung durch Verfügung von Todes wegen beginnt die Frist nicht vor deren Bekanntgabe durch das Nachlassgericht. In den Auslandsfällen des § 1944 Abs. 3 BGB beträgt sie sechs Monate. Erklärt wird gegenüber dem Nachlassgericht zur Niederschrift oder in öffentlich beglaubigter Form. Danach gilt der Anfall an Sie als nicht erfolgt, und die Erbschaft fällt dem an, der berufen wäre, wenn Sie zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätten. Schlägt ein Kind des Erblassers bei gesetzlicher Erbfolge aus, treten seine Abkömmlinge an seine Stelle, soweit vorhanden. Verstreicht die Frist, gilt die Erbschaft als angenommen. Die Versäumung kann in gleicher Weise wie die Annahme angefochten werden (§ 1956 BGB); das setzt voraus, dass die Annahme anfechtbar ist (§ 1954 Abs. 1 BGB). Welche Gründe dazu berechtigen, ist hier nicht ausgewertet.

Wann sollten Sie ein Erbe ausschlagen?

Nicht jedes Erbe ist ein Gewinn. Typische Anlässe für eine Erbausschlagung:

  • Überschuldeter Nachlass: Die Verbindlichkeiten übersteigen die Vermögenswerte.
  • Unklare Vermögenslage: Sie können innerhalb der Frist nicht feststellen, ob der Nachlass positiv oder negativ ist.
  • Pflichtteil statt Erbteil: Ist ein als Erbe berufener Pflichtteilsberechtigter durch die Einsetzung eines Nacherben, die Ernennung eines Testamentsvollstreckers oder eine Teilungsanordnung beschränkt oder mit einem Vermächtnis oder einer Auflage beschwert, kann er den Pflichtteil verlangen, wenn er den Erbteil ausschlägt. Dasselbe gilt, wenn er als Nacherbe eingesetzt ist. Die Ausschlagungsfrist beginnt dann erst, wenn er von der Beschränkung oder Beschwerung Kenntnis erlangt (§ 2306 BGB). Lebten die Ehegatten im Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§ 1363 Abs. 1 BGB), kann der überlebende Ehegatte nach der Ausschlagung neben dem Ausgleich des Zugewinns den Pflichtteil verlangen, auch wenn er ihm nach den erbrechtlichen Bestimmungen nicht zustünde; das gilt nicht, wenn er durch Vertrag mit seinem Ehegatten auf sein gesetzliches Erbrecht oder sein Pflichtteilsrecht verzichtet hat (§ 1371 Abs. 3 BGB). Ob sich das lohnt und wie hoch Pflichtteil und Ausgleich sind, ist eine Frage der Beratung. Wer pflichtteilsberechtigt ist und wie der Pflichtteil berechnet wird, erläutert der Ratgeber Pflichtteil beim Erbe: Anspruch, Höhe und Berechnung für Kinder.

Folgen der Erbausschlagung im Überblick

Folge der AusschlagungWas das für Sie bedeutet
Der Anfall an Sie gilt als nicht erfolgt (§ 1953 Abs. 1 BGB)Sie werden nicht Erbe; die Ausschlagung nur eines Teils ist unwirksam (§ 1950 BGB), zu mehreren Erbteilen siehe Fehler 6
Die Erbschaft fällt dem an, der berufen wäre, wenn Sie zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätten (§ 1953 Abs. 2 BGB)Ihre Abkömmlinge können nachrücken und müssen dann selbst entscheiden
Pflichtteil nach § 2306 BGB unter dessen VoraussetzungenVorher prüfen, ob eine Beschränkung oder Beschwerung vorliegt; weitere Fälle als diesen und den der nächsten Zeile sind hier nicht ausgewertet
Pflichtteil des überlebenden Ehegatten in Zugewinngemeinschaft (§ 1371 Abs. 3 BGB)Neben dem Ausgleich des Zugewinns, auch wenn ihm der Pflichtteil nach den erbrechtlichen Bestimmungen nicht zustünde; nicht bei vertraglichem Verzicht auf das gesetzliche Erbrecht oder das Pflichtteilsrecht
Die Anfechtung der Ausschlagung gilt als Annahme (§ 1957 Abs. 1 BGB)Die Entscheidung gehört vor der Erklärung sorgfältig vorbereitet

Ausschlagung oder Annahme mit Haftungsbeschränkung

WegWirkung nach dem gelesenen Wortlaut
Ausschlagung (§ 1945 BGB)Der Anfall an den Ausschlagenden gilt als nicht erfolgt (§ 1953 Abs. 1 BGB)
Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz (§ 1975 BGB)Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine Nachlassverwaltung angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist
Schlichte AnnahmeHaftungsfolgen hier nicht ausgewertet

Wie weit Erben ohne solche Maßnahmen haften und welche weiteren Wege es gibt, vertieft der Ratgeber Erbe und Schulden: Haftet der Erbe?.

Florian Enders berät zur Erbausschlagung und Sechs-Wochen-Frist im Frankfurter BeratungsbüroFlorian Enders berät zur Erbausschlagung und Sechs-Wochen-Frist im Frankfurter Beratungsbüro

Schritt-für-Schritt: Ausschlagung in 6 Etappen

Die Tagesangaben sind eine Orientierung und ersetzen keine Fristberechnung im Einzelfall.

Schritt 1: Frist sofort markieren (Tag 1)

Sechs Wochen ab Kenntnis von dem Anfall und dem Grund der Berufung, bei Berufung durch Verfügung von Todes wegen nicht vor deren Bekanntgabe durch das Nachlassgericht. Sechs Monate gelten nur, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland hatte oder Sie sich bei Fristbeginn im Ausland aufhalten. Notieren Sie, wann und wodurch Sie Kenntnis erlangt haben.

Schritt 2: Überblick über den Nachlass (Tag 1 bis 14)

Aktiva (Konten, Immobilien, Wertpapierdepots, Hausrat) und Passiva (Kredite, offene Rechnungen, Bürgschaften, Steuerschulden, laufende Verträge) erfassen.

Schritt 3: Nachrücker bedenken (Tag 7 bis 14)

Wer wäre berufen, wenn Sie zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätten (§ 1953 Abs. 2 BGB)? Sind Ihre eigenen Abkömmlinge betroffen, womöglich minderjährige Kinder? Dann gilt Schritt 5.

Schritt 4: Erklärung abgeben (Tag 14 bis 35)

Zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 Abs. 1 BGB). Ein Bevollmächtigter braucht eine öffentlich beglaubigte Vollmacht, die der Erklärung beigefügt oder innerhalb der Ausschlagungsfrist nachgebracht werden muss; der Nachweis der Vollmacht kann auch durch eine beigefügte oder nachgebrachte notarielle Bescheinigung erfolgen (§ 1945 Abs. 3 BGB). Ob es für die Fristwahrung auf den Eingang beim Nachlassgericht ankommt, ist hier nicht ausgewertet; planen Sie Postlaufzeiten mit Abstand ein.

Schritt 5: Minderjährige Kinder (Tag 14 bis 42)

Prüfen Sie, ob für die Ausschlagung im Namen Ihres Kindes eine familiengerichtliche Genehmigung nötig ist. Maßgeblich sind § 1643 Abs. 1 und Abs. 3 BGB, erläutert im Abschnitt zu Minderjährigen.

Schritt 6: Unterlagen und Geschäfte vor der Ausschlagung

Bewahren Sie Nachweise über Ihre Erklärung auf. Wer vor der Ausschlagung erbschaftliche Geschäfte besorgt, ist demjenigen gegenüber, der Erbe wird, wie ein Geschäftsführer ohne Auftrag berechtigt und verpflichtet (§ 1959 Abs. 1 BGB). Wer die Erbschaft angenommen hat, kann nicht mehr ausschlagen (§ 1943 BGB). Ob einzelne Handlungen, etwa das Mitnehmen von Gegenständen, das Nutzen von Konten oder Kündigungen, als Annahme gelten, beantworten die ausgewerteten Vorschriften nicht. Klären Sie das vor dem Handeln.

Wie lange kann man ein Erbe ausschlagen?

Die Ausschlagung kann nur binnen sechs Wochen erfolgen (§ 1944 BGB). Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt. Für den Lauf der Frist gelten nach § 1944 Abs. 2 Satz 3 BGB die Verjährungsvorschriften der §§ 206, 210 BGB entsprechend. Mit Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB).

Fristbeginn bei Testament oder Erbvertrag

Ist der Erbe durch Verfügung von Todes wegen berufen, beginnt die Frist nicht vor Bekanntgabe der Verfügung durch das Nachlassgericht (§ 1944 Abs. 2 Satz 2 BGB). Daneben bleibt Ihre Kenntnis von dem Anfall und dem Grund der Berufung maßgeblich.

Fristbeginn bei gesetzlicher Erbfolge

Hier kommt es auf Ihre Kenntnis von dem Anfall und dem Grund der Berufung an. Das gilt auch für Personen, denen die Erbschaft erst durch die Ausschlagung eines anderen anfällt. Das Nachlassgericht soll ihnen die Ausschlagung mitteilen (§ 1953 Abs. 3 BGB).

Sechs Monate in zwei Auslandsfällen

Die Frist beträgt sechs Monate, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland gehabt hat oder wenn sich der Erbe bei dem Beginn der Frist im Ausland aufhält (§ 1944 Abs. 3 BGB). Andere Auslandsbezüge nennt die Vorschrift nicht. Welches Erbrecht bei Auslandsbezug überhaupt anzuwenden ist, behandelt der Ratgeber Internationales Erbrecht und EU-ErbVO; dieser Beitrag beschreibt deutsches Recht.

Entscheidend: Lassen Sie die Frist verstreichen, gilt die Erbschaft als angenommen. Die Versäumung kann dann in gleicher Weise wie die Annahme angefochten werden; das setzt voraus, dass die Annahme anfechtbar ist (§§ 1954, 1956 BGB).

Wie und wo wird die Ausschlagung erklärt?

Die Ausschlagung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht, zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 Abs. 1 BGB). Ein formloses Schreiben per Brief oder E-Mail erfüllt diese Form nicht.

Für die Entgegennahme ist auch das Nachlassgericht zuständig, in dessen Bezirk die erklärende Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Dieses Gericht übermittelt die Erklärung an das zuständige Nachlassgericht (§ 344 Abs. 7 FamFG). Ob die Frist bereits mit Eingang dort gewahrt ist, sagt der Wortlaut nicht ausdrücklich. Welches Nachlassgericht allgemein örtlich zuständig ist, wurde hier nicht ausgewertet; beides sind offene Prüffragen.

Eine Vorlage und Hinweise zur Formulierung finden Sie im Ratgeber Muster und Vordruck für die Erbausschlagung.

Was kostet es, ein Erbe auszuschlagen?

Für die Kosten lässt sich aus den gelesenen Vorschriften nur ein Rechenschema ableiten:

  1. Geschäftswert: Werden in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit Erklärungen beurkundet, die gegenüber dem Nachlassgericht abzugeben sind, ist Geschäftswert der Wert des betroffenen Vermögens oder des betroffenen Bruchteils nach Abzug der Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt der Beurkundung (§ 103 Abs. 1 GNotKG). Einen Mindestwert für den Geschäftswert nennt § 103 GNotKG nicht.
  2. Gebührentabelle: Richten sich die Gebühren nach dem Geschäftswert, bestimmt sich ihre Höhe nach Tabelle A oder Tabelle B (§ 34 Abs. 1 GNotKG).
  3. Gebühr und Gebührensatz: Welche Gebühr anfällt und welche Tabelle gilt, regelt das Kostenverzeichnis (Anlage 1 GNotKG). Es wurde für diesen Beitrag nicht ausgewertet; deshalb nennt er keine Beträge.

Offen bleibt außerdem, ob § 103 GNotKG auch für die Niederschrift beim Nachlassgericht oder für eine öffentliche Beglaubigung gilt, denn sein Wortlaut spricht von „beurkundet“. Weitere Hinweise enthält der Ratgeber Erbe ausschlagen: Kosten bei Notar, Gericht und Anwalt.

Florian Enders, Steuerberater - Erbausschlagung
Florian Enders, Steuerberater - Erbausschlagung

Erbe ausschlagen: Wer erbt dann?

Wird die Erbschaft ausgeschlagen, gilt der Anfall an den Ausschlagenden als nicht erfolgt. Die Erbschaft fällt demjenigen an, der berufen sein würde, wenn der Ausschlagende zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätte; der Anfall gilt als mit dem Erbfall erfolgt (§ 1953 Abs. 1 und 2 BGB). Wem die Erbschaft anfällt, bestimmt sich also nach § 1953 Abs. 2 BGB, nicht nach dem Willen des Ausschlagenden.

Wenn ein Kind des Erblassers ausschlägt

Gesetzliche Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers. An die Stelle eines zur Zeit des Erbfalls nicht mehr lebenden Abkömmlings treten die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge, und Kinder erben zu gleichen Teilen (§ 1924 BGB). Zusammen mit § 1953 Abs. 2 BGB heißt das: Schlägt ein Kind des Erblassers bei gesetzlicher Erbfolge aus, treten seine eigenen Abkömmlinge an seine Stelle, soweit vorhanden. Wer berufen ist, wenn kein Abkömmling des Erblassers mehr erbt, regeln weitere Vorschriften der gesetzlichen Erbfolge, die hier nicht ausgewertet sind.

Erbrecht des Staates

Ist zur Zeit des Erbfalls kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden, erbt das Land, in dem der Erblasser zur Zeit des Erbfalls seinen letzten Wohnsitz oder, wenn ein solcher nicht feststellbar ist, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte; im Übrigen erbt der Bund (§ 1936 BGB). Der Fiskus kann die ihm als gesetzlichem Erben angefallene Erbschaft nicht ausschlagen (§ 1942 Abs. 2 BGB).

Ausschlagung bei Minderjährigen

Schlagen Eltern für ihr minderjähriges Kind aus, bedürfen sie der Genehmigung des Familiengerichts, soweit sich aus § 1643 Abs. 2 bis 5 BGB nichts anderes ergibt (§ 1643 Abs. 1 BGB mit § 1851 Nr. 1 BGB).

Ausnahme nach § 1643 Abs. 3 BGB: Tritt der Anfall der Erbschaft an das Kind erst infolge der Ausschlagung eines Elternteils ein, der das Kind allein oder gemeinsam mit dem anderen Elternteil vertritt, ist die Genehmigung nur dann erforderlich, wenn der Elternteil neben dem Kind berufen war.

Wirksamkeit und Frist während des Genehmigungsverfahrens: Für die Genehmigung gilt § 1858 BGB entsprechend (§ 1644 Abs. 3 BGB). Wird die Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht ohne die erforderliche Genehmigung abgegeben, hängt ihre Wirksamkeit von der nachträglichen Genehmigung ab und tritt mit deren Rechtskraft ein. Der Ablauf einer gesetzlichen Frist ist während der Dauer des Genehmigungsverfahrens gehemmt; die Hemmung endet mit Rechtskraft des Beschlusses über die Erteilung der Genehmigung (§ 1858 Abs. 3 BGB). Ob schon ein Antrag vor Abgabe der Erklärung die Frist hemmt und auf wessen Kenntnis es beim Fristbeginn für das Kind ankommt, bleibt eine offene Prüffrage.

Erbe ausschlagen bei Geschwistern

Die Erbschaft geht auf jeden berufenen Erben unbeschadet seines Rechts über, sie auszuschlagen (§ 1942 Abs. 1 BGB). Eine Ausschlagung erklärt jeder in der Form des § 1945 BGB.

Beispiel mit offengelegten Annahmen: Gesetzliche Erbfolge, kein Testament, kein Ehegatte oder Lebenspartner. Der Erblasser hinterlässt drei Kinder A, B und C, die zu gleichen Teilen erben (§ 1924 Abs. 4 BGB). A schlägt aus.

  • A hat Abkömmlinge: Sie treten an die Stelle von A (§ 1953 Abs. 2, § 1924 Abs. 3 BGB). Die Anteile von B und C ändern sich nicht.
  • A hat keine Abkömmlinge: B und C erben zu gleichen Teilen, also je die Hälfte (§ 1953 Abs. 2, § 1924 Abs. 4 BGB).

Erhöht sich so der Erbteil von B und C, gilt der Teil, um den er sich erhöht, in Ansehung der Vermächtnisse und Auflagen, mit denen dieser Erbe oder der wegfallende Erbe beschwert ist, sowie in Ansehung der Ausgleichungspflicht als besonderer Erbteil (§ 1935 BGB).

Ausschlagung gegen Abfindung

Als vom Erblasser zugewendet gilt auch, was als Abfindung für die Ausschlagung einer Erbschaft gewährt wird (§ 3 Abs. 2 Nr. 4 ErbStG). Wer einen Erbteil nicht ausschlagen, sondern übertragen möchte, findet Hinweise im Ratgeber Erbteil verkaufen.

Beerdigungskosten trotz Erbausschlagung

Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers (§ 1968 BGB). Ob und wann Angehörige unabhängig von der Erbenstellung für die Bestattung aufkommen müssen, ist hier nicht ausgewertet. Das behandelt der Ratgeber Bestattungskosten trotz Erbausschlagung.

Frist verpasst: Was gilt dann?

Mit Ablauf der Ausschlagungsfrist gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB). Die Versäumung der Ausschlagungsfrist kann in gleicher Weise wie die Annahme angefochten werden (§ 1956 BGB), und die Anfechtung der Annahme gilt als Ausschlagung (§ 1957 Abs. 1 BGB).

Ist die Annahme anfechtbar, gilt für die Anfechtung (§ 1954 BGB):

  • Frist: sechs Wochen.
  • Beginn: bei Drohung mit dem Ende der Zwangslage, in den übrigen Fällen mit Kenntnis vom Anfechtungsgrund.
  • Auslandsfälle: sechs Monate, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland hatte oder sich der Erbe bei Fristbeginn im Ausland aufhält.
  • Ausschluss: wenn seit der Annahme oder der Ausschlagung 30 Jahre verstrichen sind.

Die Anfechtung der Annahme erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht, zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1955 BGB mit § 1945 Abs. 1 BGB); nach § 1956 BGB gilt das auch für die Anfechtung der Versäumung. Ein einfacher Brief erfüllt diese Form nicht. Für die Entgegennahme einer Erklärung, mit der die Versäumung der Ausschlagungsfrist angefochten wird, ist auch das Nachlassgericht am gewöhnlichen Aufenthalt der erklärenden Person zuständig (§ 344 Abs. 7 FamFG). Welche Gründe zur Anfechtung berechtigen, ist hier nicht ausgewertet. Das vertieft der Ratgeber Erbe angenommen: Anfechtung nach verpasster Frist.

Erbschein nach einer Erbausschlagung

Nach der Ausschlagung gilt der Anfall an Sie als nicht erfolgt (§ 1953 Abs. 1 BGB); Fragen zum Erbnachweis betreffen dann diejenigen, denen die Erbschaft angefallen ist. Ablauf und Kosten beschreibt der Ratgeber Erbschein: Kosten und Antrag. Welche Nachweise Banken oder Grundbuchämter anstelle eines Erbscheins akzeptieren, ist hier nicht ausgewertet und bleibt eine offene Frage.

Häufige Fehler bei der Erbausschlagung

  1. Frist unterschätzt: Sechs Wochen vergehen schnell, besonders in einer Trauerphase. Halten Sie fest, wann Sie von dem Anfall und dem Grund der Berufung erfahren haben.
  2. Formfehler: Eine Erklärung, die weder zur Niederschrift des Nachlassgerichts noch in öffentlich beglaubigter Form abgegeben wird, entspricht nicht § 1945 Abs. 1 BGB.
  3. Handeln vor der Entscheidung: Wer angenommen hat, kann nicht mehr ausschlagen (§ 1943 BGB). Wer vor der Ausschlagung erbschaftliche Geschäfte besorgt, ist dem späteren Erben gegenüber wie ein Geschäftsführer ohne Auftrag berechtigt und verpflichtet (§ 1959 Abs. 1 BGB). Ob eine bestimmte Handlung als Annahme gilt, klären Sie vorher.
  4. Minderjährige vergessen: Schlagen Sie aus, können Ihre minderjährigen Kinder nachrücken. Ob für ihre Ausschlagung eine familiengerichtliche Genehmigung nötig ist, richtet sich nach § 1643 Abs. 1 und 3 BGB.
  5. Auf späteres Rückgängigmachen vertrauen: In den ausgewerteten Vorschriften geregelt ist die Anfechtung, mit eigener Frist (§ 1954 BGB); die Anfechtung der Ausschlagung gilt als Annahme (§ 1957 Abs. 1 BGB). Ob daneben ein Widerruf möglich ist, ist hier nicht ausgewertet.
  6. Nur einen Teil ausschlagen wollen: Annahme und Ausschlagung können nicht auf einen Teil der Erbschaft beschränkt werden (§ 1950 BGB). Wer zu mehreren Erbteilen berufen ist, kann den einen annehmen und den anderen ausschlagen, wenn die Berufung auf verschiedenen Gründen beruht. Beruht sie auf demselben Grund, gilt die Erklärung auch für den anderen Erbteil, selbst wenn er erst später anfällt; derselbe Grund liegt auch vor, wenn die Berufung in verschiedenen Testamenten oder vertragsmäßig in verschiedenen zwischen denselben Personen geschlossenen Erbverträgen angeordnet ist. Setzt der Erblasser einen Erben auf mehrere Erbteile ein, kann er ihm durch Verfügung von Todes wegen gestatten, den einen anzunehmen und den anderen auszuschlagen (§ 1951 BGB).

Häufig gestellte Fragen

Wie lange kann man ein Erbe ausschlagen?

Grundsätzlich sechs Wochen ab Kenntnis von dem Anfall und dem Grund der Berufung, bei Berufung durch Verfügung von Todes wegen nicht vor deren Bekanntgabe durch das Nachlassgericht. Sechs Monate gelten nur, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland hatte oder Sie sich bei Fristbeginn im Ausland aufhalten (§ 1944 BGB). Mit Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB).

Wie und wo erkläre ich die Ausschlagung?

Gegenüber dem Nachlassgericht, zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 BGB). Für die Entgegennahme ist auch das Nachlassgericht an Ihrem gewöhnlichen Aufenthalt zuständig, das die Erklärung an das zuständige Nachlassgericht übermittelt (§ 344 Abs. 7 FamFG).

Wer erbt, wenn ich ausschlage?

Derjenige, der berufen wäre, wenn Sie zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätten (§ 1953 Abs. 2 BGB). Sind Sie Kind des Erblassers und gilt gesetzliche Erbfolge, treten Ihre Abkömmlinge an Ihre Stelle (§ 1924 Abs. 3 BGB). Haben Sie keine, erben im Beispiel oben die übrigen Kinder zu gleichen Teilen.

Brauche ich für mein minderjähriges Kind eine Genehmigung?

Grundsätzlich ja, die Genehmigung des Familiengerichts (§ 1643 Abs. 1 mit § 1851 Nr. 1 BGB). Fällt die Erbschaft dem Kind erst durch die Ausschlagung eines Elternteils an, der es allein oder gemeinsam mit dem anderen Elternteil vertritt, ist sie nur erforderlich, wenn dieser Elternteil neben dem Kind berufen war (§ 1643 Abs. 3 BGB).

Welche Pflichten bleiben nach der Ausschlagung?

Haben Sie vor der Ausschlagung erbschaftliche Geschäfte besorgt, sind Sie dem späteren Erben gegenüber wie ein Geschäftsführer ohne Auftrag berechtigt und verpflichtet (§ 1959 Abs. 1 BGB). Die Beerdigungskosten trägt der Erbe (§ 1968 BGB); ob Angehörige unabhängig davon herangezogen werden können, behandelt der verlinkte Ratgeber zu den Bestattungskosten.

Was gilt, wenn ich die Frist verpasst habe?

Die Versäumung kann in gleicher Weise wie die Annahme angefochten werden, wenn die Annahme anfechtbar ist (§ 1956, § 1954 Abs. 1 BGB). Die Anfechtungsfrist beträgt sechs Wochen ab Kenntnis vom Anfechtungsgrund, bei Drohung ab Ende der Zwangslage, in den Auslandsfällen sechs Monate; ausgeschlossen ist die Anfechtung, wenn seit der Annahme 30 Jahre verstrichen sind (§ 1954 BGB). Welche Gründe zur Anfechtung berechtigen, klären Sie in der Beratung.

Quellen, Annahmen und offene Fragen

  • Quellen: amtliche Fassungen auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 02.11.2026: §§ 1363, 1371, 1643, 1644, 1851, 1858, 1924, 1936, 1942 bis 1945, 1950, 1953 bis 1957, 1959, 1975 und 2306 BGB, § 3 ErbStG, § 344 FamFG sowie §§ 34 und 103 GNotKG; abgerufen am 17.10.2026: §§ 1935, 1951 und 1968 BGB. Vorschriften, auf die diese Normen nur verweisen, etwa §§ 206 und 210 BGB, sind nicht gesondert dargestellt.
  • Annahmen: Es gilt deutsches Recht. Das Geschwisterbeispiel setzt gesetzliche Erbfolge ohne Testament und ohne Ehegatten oder Lebenspartner voraus. Für länger zurückliegende Erbfälle kann eine ältere Fassung maßgeblich sein.
  • Nicht ausgewertet: Kostenverzeichnis des GNotKG (deshalb keine Beträge), allgemeine örtliche Zuständigkeit des Nachlassgerichts, Anfechtungsgründe, weitere Pflichtteilsfälle neben § 2306 und § 1371 Abs. 3 BGB, Höhe von Pflichtteil und Zugewinnausgleich, gesetzliche Erbfolge jenseits der Abkömmlinge, Erbenhaftung ohne Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz, Landesbestattungsrecht, Nachweisregeln von Banken und Grundbuchamt, Rechtsprechung.
  • Offene Fragen für die Beratung: ob einzelne Handlungen als Annahme gelten; ob es für die Fristwahrung auf den Eingang ankommt und ob die Erklärung beim Gericht des gewöhnlichen Aufenthalts fristwahrend ist; ob bei der Anfechtung eine Vollmacht innerhalb der Anfechtungsfrist nachgebracht werden muss; ob ein Genehmigungsantrag vor der Erklärung die Frist hemmt und auf wessen Kenntnis es bei Minderjährigen ankommt; ob § 103 GNotKG auch bei Niederschrift oder Beglaubigung gilt; ob neben der Anfechtung ein Widerruf möglich ist.
  • Beratungsgrenze: Dieser Beitrag gibt den Gesetzeswortlaut allgemein wieder. Er ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung und sagt keine bestimmte Folge zu.

Nächste Schritte

Ob eine Erbausschlagung in Ihrer Situation sinnvoll ist, hängt von der konkreten Nachlasszusammensetzung ab. Eine vorschnelle Ausschlagung kann ebenso nachteilig sein wie eine vorschnelle Annahme, etwa wenn ein vermeintlich überschuldeter Nachlass doch werthaltige Bestandteile enthält. Eine Übersicht über alle laufenden Fristen und Pflichten finden Sie im Ratgeber Erbfall eingetreten: Die wichtigsten Schritte und Fristen.

Nutzen Sie den Erbschafts-Navigator, um Ihre persönliche Checkliste zu erstellen. Oder vereinbaren Sie direkt ein Erstgespräch, um Ihre Optionen innerhalb der laufenden Frist strukturiert zu besprechen, idealerweise spätestens in Woche 3 nach Kenntnis vom Erbfall, damit Zeit für Recherche und gegebenenfalls einen Notartermin bleibt.

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Florian Enders, Steuerberater

Die Ausschlagungsfrist läuft: sechs Wochen, § 1944 BGB.

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