Inhalt10 Abschnitte
Dieser Leitfaden ordnet die erb- und steuerrechtlichen Fristen und Entscheidungen nach einem Erbfall. Rechtsstand: amtliche Fassungen auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 19.10.2026. Für länger zurückliegende Erbfälle kann eine ältere Fassung maßgeblich sein.
Das Wichtigste in Kürze: Wer die Erbschaft angenommen hat oder die Ausschlagungsfrist verstreichen lässt, kann nicht mehr ausschlagen. Mit dem Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB). Ob einzelne Handlungen mit Nachlassgegenständen als Annahme gelten, beantworten die hier ausgewerteten Vorschriften nicht. Klären Sie das, bevor Sie handeln.
Florian Enders erläutert die Fristen nach einem Erbfall im Beratungsgespräch
Wann tritt der Erbfall ein?
Ein Erbfall im Sinne des Erbrechts tritt ein, sobald ein Mensch verstirbt. Das Gesetz sagt: Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über (§ 1922 Abs. 1 BGB).
Was in den ersten Stunden und Tagen zu tun ist, beschreibt der Leitfaden Was tun, wenn jemand stirbt. Wie ein Notfallordner aufgebaut sein kann, zeigt ein eigener Beitrag.
Bis wann müssen Sie über Annahme oder Ausschlagung entscheiden?
Die Ausschlagung kann nur binnen sechs Wochen erfolgen. Die Frist beginnt, sobald der Erbe von dem Anfall und dem Grunde der Berufung Kenntnis erlangt. Ist er durch Verfügung von Todes wegen berufen, etwa durch ein Testament, beginnt sie nicht vor der Bekanntgabe der Verfügung durch das Nachlassgericht. Sechs Monate beträgt die Frist, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland gehabt hat oder wenn sich der Erbe bei dem Beginn der Frist im Ausland aufhält (§ 1944 BGB).
Erklärt wird die Ausschlagung gegenüber dem Nachlassgericht, zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 Abs. 1 BGB). Ein formloses Schreiben genügt nicht.
Eine Ausschlagung kann in Betracht kommen, wenn der Nachlass überschuldet ist oder sich die Vermögensverhältnisse innerhalb der Frist nicht aufklären lassen. Mehr dazu in den Beiträgen Erbe ausschlagen und Erbe ausschlagen: Kosten.
Anfechtung: Ist die Annahme oder die Ausschlagung anfechtbar, kann die Anfechtung nur binnen sechs Wochen erfolgen, in den Auslandsfällen des Abs. 3 binnen sechs Monaten (§ 1954 BGB). Ob und aus welchen Gründen eine Anfechtung möglich ist, bleibt hier offen. Weiterführend: Erbe ausschlagen: Frist verpasst.
Nachlassverzeichnis und Haftungsbegrenzung
Ein Nachlassverzeichnis erfasst die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Erblassers und ist die Grundlage für Ihre Entscheidung über Annahme oder Ausschlagung. Verlangt das Finanzamt eine Steuererklärung, muss sie ein Verzeichnis der zum Nachlass gehörenden Gegenstände enthalten (§ 31 Abs. 2 ErbStG).
Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung) angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist (§ 1975 BGB). Ein Nachlassverzeichnis nennt die Vorschrift nicht als Voraussetzung. Wie es zur Anordnung kommt und wie weit Erben ohne eine solche Maßnahme haften, beantworten die hier ausgewerteten Vorschriften nicht.
Was in ein Nachlassverzeichnis gehört:
- Immobilien, Bankkonten, Depots, Sparbücher und Tresorfächer
- Versicherungen und Bezugsberechtigungen, Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften
- Verbindlichkeiten: Kredite, Bürgschaften, offene Steuerschulden
- Kosten der Bestattung, eines angemessenen Grabdenkmals und der üblichen Grabpflege mit ihrem Kapitalwert für eine unbestimmte Dauer sowie Kosten, die Ihnen unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs entstehen. Sie sind abzugsfähig, soweit sich aus den Absätzen 6 bis 9 nichts anderes ergibt; insgesamt werden dafür 15.000 Euro ohne Nachweis abgezogen. Kosten für die Verwaltung des Nachlasses sind nicht abzugsfähig (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
Erbschaftsteuer 2026: Freibeträge, Anzeige und Tarife
Jeder der Erbschaftsteuer unterliegende Erwerb ist vom Erwerber, bei einer Zweckzuwendung vom Beschwerten, binnen drei Monaten nach erlangter Kenntnis von dem Anfall oder von dem Eintritt der Verpflichtung dem zuständigen Finanzamt schriftlich anzuzeigen (§ 30 Abs. 1 ErbStG).
Ausnahme und Rückausnahme: Einer Anzeige bedarf es nicht, wenn der Erwerb auf einer von einem deutschen Gericht, Notar oder Konsul eröffneten Verfügung von Todes wegen beruht und sich daraus das Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser unzweifelhaft ergibt. Das gilt nicht, wenn zum Erwerb Grundbesitz, Betriebsvermögen, Anteile an Kapitalgesellschaften, die nicht der Anzeigepflicht nach § 33 unterliegen, oder Auslandsvermögen gehört (§ 30 Abs. 3 Satz 1 ErbStG).
Unabhängig davon kann das Finanzamt von jedem an einem Erbfall Beteiligten, ohne Rücksicht darauf, ob er selbst steuerpflichtig ist, eine Erklärung verlangen. Die Frist bestimmt das Finanzamt, sie muss mindestens einen Monat betragen (§ 31 Abs. 1 ErbStG).
Daneben zeigen geschäftsmäßige Verwahrer und Verwalter fremden Vermögens dem Finanzamt in der Regel binnen eines Monats, seitdem ihnen der Todesfall bekannt geworden ist, die in ihrem Gewahrsam befindlichen Vermögensgegenstände und die gegen sie gerichteten Forderungen an, die beim Tod zum Vermögen des Erblassers gehörten oder über die dem Erblasser zur Zeit seines Todes die Verfügungsmacht zustand. Versicherungsunternehmen zeigen an, bevor sie Versicherungssummen oder Leibrenten einem anderen als dem Versicherungsnehmer auszahlen oder zur Verfügung stellen (§ 33 Abs. 1 und 3 ErbStG). Welche Folgen eine versäumte eigene Anzeige hat, ist hier nicht ausgewertet; dazu der Beitrag Erbschaft nicht beim Finanzamt gemeldet.
Freibeträge nach § 16 ErbStG
§ 16 Abs. 1 ErbStG stellt den Erwerb in den Fällen der unbeschränkten Steuerpflicht (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) bis zu folgenden Beträgen steuerfrei. Bei beschränkter Steuerpflicht mindert sich der Freibetrag nach § 16 Abs. 2 ErbStG. Die Steuerklassen ergeben sich aus § 15 Abs. 1 ErbStG.
| Erwerber | Freibetrag | Steuerklasse |
|---|---|---|
| Ehegatte, Lebenspartner | 500.000 EUR | I |
| Kinder und Stiefkinder (Steuerklasse I Nr. 2) sowie Kinder verstorbener Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2 | 400.000 EUR | I |
| Kinder der Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2, soweit sie nicht als Kinder verstorbener Kinder unter Nr. 2 fallen | 200.000 EUR | I |
| Übrige Personen der Steuerklasse I, etwa Eltern und Voreltern bei Erwerben von Todes wegen | 100.000 EUR | I |
| Personen der Steuerklasse II, etwa Geschwister | 20.000 EUR | II |
| Übrige Personen der Steuerklasse III | 20.000 EUR | III |
Mehrere innerhalb von zehn Jahren von derselben Person anfallende Vermögensvorteile werden zusammengerechnet. Dem letzten Erwerb werden die früheren Erwerbe nach ihrem früheren Wert zugerechnet (§ 14 Abs. 1 ErbStG).
Erbschaftsteuer: Tabelle, Freibeträge und Steuerklassen
Steuertarife nach § 19 ErbStG
Maßgeblich ist der Wert des steuerpflichtigen Erwerbs, also die Bereicherung, soweit sie nicht steuerfrei ist (§ 10 Abs. 1 ErbStG). Die Sätze nach § 19 Abs. 1 ErbStG:
- Steuerklasse I: von 7 Prozent (bis einschließlich 75.000 EUR) bis 30 Prozent (über 26 Mio. EUR)
- Steuerklasse II: von 15 bis 43 Prozent
- Steuerklasse III: von 30 bis 50 Prozent, wobei 50 Prozent bereits für Erwerbe über 6 Mio. EUR gelten
Beispiel mit offengelegten Annahmen: Ein Kind erbt von seinem Vater eine Bereicherung von 200.000 EUR. Es besteht unbeschränkte Steuerpflicht, und nach § 14 ErbStG sind keine früheren Erwerbe vom Vater aus den letzten zehn Jahren hinzuzurechnen. Dann übersteigt der Erwerb den Freibetrag von 400.000 EUR nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG nicht, und es fällt keine Erbschaftsteuer an.
Ihre voraussichtliche Belastung können Sie mit dem Erbschaftsteuer-Rechner vorab schätzen.

Sonderfälle: Betriebsvermögen, Immobilien und Familienheim
Betriebsvermögen nach §§ 13a, 13b ErbStG
- Regelverschonung: Begünstigtes Vermögen im Sinne des § 13b Abs. 2 ErbStG bleibt zu 85 Prozent steuerfrei, wenn der Erwerb begünstigten Vermögens zuzüglich früherer solcher Erwerbe von derselben Person innerhalb von zehn Jahren insgesamt 26 Millionen Euro nicht übersteigt (§ 13a Abs. 1 ErbStG). Unterschreitet die Summe der Lohnsummen innerhalb von fünf Jahren die Mindestlohnsumme, vermindert sich der Verschonungsabschlag anteilig mit Wirkung für die Vergangenheit; das gilt etwa nicht für Betriebe mit nicht mehr als fünf Beschäftigten (Abs. 3).
- Option: Auf unwiderrufliche Erklärung beträgt der Verschonungsabschlag 100 Prozent. Lohnsummenfrist und Behaltensfrist betragen dann sieben Jahre, die Mindestlohnsumme ist höher. Voraussetzung ist, dass das begünstigungsfähige Vermögen nicht zu mehr als 20 Prozent aus Verwaltungsvermögen besteht (Abs. 10).
Veräußert der Erwerber innerhalb der Behaltensfrist zum Beispiel den Gewerbebetrieb oder wesentliche Betriebsgrundlagen, fallen der Verschonungsabschlag und der Abzugsbetrag nach Abs. 2 nach Maßgabe von § 13a Abs. 6 Satz 2 mit Wirkung für die Vergangenheit weg, soweit der Tatbestand reicht. In den Fällen des Satzes 1 Nr. 1, 2, 4 und 5 beschränkt sich der rückwirkende Wegfall des Verschonungsabschlags auf den Teil, der dem Verhältnis der verbleibenden Behaltensfrist einschließlich des Verfügungsjahres zur gesamten Behaltensfrist entspricht. In den Fällen der Nr. 1, 2 und 4 ist von einer rückwirkenden Besteuerung abzusehen, wenn der Veräußerungserlös innerhalb der begünstigungsfähigen Vermögensart verbleibt; davon ist bei einer Investition innerhalb von sechs Monaten in entsprechendes begünstigtes Vermögen auszugehen.
Einen solchen Verstoß zeigen Sie dem Finanzamt binnen eines Monats an, nachdem der Tatbestand verwirklicht wurde, das Unterschreiten der Mindestlohnsumme binnen sechs Monaten nach Ablauf der Lohnsummenfrist, auch wenn der Vorgang zu keiner Besteuerung führt (Abs. 7). Vertiefung: Verschonungsabschlag nach §§ 13a, 13b ErbStG.
Immobilien nach §§ 151, 198 BewG
Grundbesitzwerte werden gesondert festgestellt, wenn sie für die Erbschaftsteuer von Bedeutung sind. Darüber entscheidet das für die Festsetzung der Erbschaftsteuer zuständige Finanzamt. Ausländisches Vermögen unterliegt nicht der gesonderten Feststellung (§ 151 Abs. 1 und 4 BewG).
Weisen Sie nach, dass der gemeine Wert am Bewertungsstichtag niedriger ist als der nach den §§ 179, 182 bis 196 BewG ermittelte Wert, wird der niedrigere Wert angesetzt (§ 198 BewG). Als Nachweis kann regelmäßig ein Gutachten nach Abs. 2 dienen, ebenso ein im gewöhnlichen Geschäftsverkehr innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Stichtag zustande gekommener Kaufpreis über das zu bewertende Grundstück, wenn die maßgeblichen Verhältnisse unverändert sind.
Familienheim nach § 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG
Steuerfrei bleibt der Erwerb von Todes wegen des Eigentums oder Miteigentums an einem bebauten Grundstück im Sinne des § 181 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 BewG im Inland, in einem EU-Mitgliedstaat oder in einem EWR-Staat (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG), soweit beide Bedingungen erfüllt sind:
- Der Erblasser hat darin bis zum Erbfall eine Wohnung zu eigenen Wohnzwecken genutzt, oder er war aus zwingenden Gründen an der Selbstnutzung gehindert.
- Die Wohnung ist beim Erwerber unverzüglich zur Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken bestimmt (Familienheim).
Je nach Erwerber gilt:
- Überlebender Ehegatte oder Lebenspartner (Nr. 4b): Eine Wohnflächengrenze nennt die Vorschrift nicht. Alle übrigen Voraussetzungen gelten.
- Kinder und Kinder verstorbener Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2 (Nr. 4c): Die Befreiung gilt zusätzlich nur, soweit die Wohnfläche der Wohnung 200 Quadratmeter nicht übersteigt.
- Für beide gilt: Die Befreiung scheidet aus, soweit der Erwerber das Vermögen aufgrund einer Verfügung des Erblassers auf einen Dritten übertragen muss oder es bei der Teilung des Nachlasses auf einen Miterben überträgt. Sie fällt mit Wirkung für die Vergangenheit weg, wenn der Erwerber das Familienheim innerhalb von zehn Jahren nach dem Erwerb nicht mehr zu Wohnzwecken selbst nutzt, es sei denn, er ist aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert.
Erbengemeinschaft und Auseinandersetzung
Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben; bis zur Auseinandersetzung gelten die §§ 2033 bis 2041 BGB (§ 2032 BGB). Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen, soweit sich nicht aus den §§ 2043 bis 2045 BGB ein anderes ergibt (§ 2042 BGB). Welche Wege der Auseinandersetzung es gibt, ist hier nicht ausgewertet. Dazu gibt es den Beitrag Erbengemeinschaft auflösen.
Häufige Fehler im Erbfall
Diese Stolperfallen lassen sich vermeiden, wenn Sie Fristen und Wortlaut im Blick behalten:
- Frist versäumt: Mit Ablauf der Ausschlagungsfrist gilt die Erbschaft als angenommen. Notieren Sie, wann Sie von dem Anfall und dem Grund der Berufung erfahren haben.
- Anzeige übersehen: Die Anzeige nach § 30 ErbStG hat eine eigene Frist von drei Monaten. Wann sie entfällt, steht im Abschnitt zur Anzeige.
- Pflichtteil nicht bedacht: Ein Abkömmling des Erblassers, der durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen ist, kann von dem Erben den Pflichtteil verlangen, die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Dasselbe gilt für Eltern und Ehegatten; für sie bleibt § 1371 BGB unberührt (§ 2303 BGB). Was daraus folgt, ist hier nicht ausgewertet.
- Familienheim-Falle: Wer das Familienheim innerhalb von zehn Jahren nach dem Erwerb nicht mehr selbst zu Wohnzwecken nutzt, verliert die Befreiung mit Wirkung für die Vergangenheit, außer zwingende Gründe hindern ihn an der Selbstnutzung.
- Erbschein ohne Rückfrage beantragt: Beruht die Erbfolge auf einer Verfügung von Todes wegen in einer öffentlichen Urkunde, genügen dem Grundbuchamt an Stelle des Erbscheins oder des Europäischen Nachlasszeugnisses die Verfügung und die Niederschrift über ihre Eröffnung. Hält das Grundbuchamt die Erbfolge dadurch nicht für nachgewiesen, kann es einen Erbschein oder ein Europäisches Nachlasszeugnis verlangen (§ 35 Abs. 1 GBO). Welche Nachweise Banken akzeptieren, ist hier nicht ausgewertet. Zum Antrag: Erbschein beantragen.
Schritt für Schritt: Erbfall in 7 Etappen sauber abwickeln
Diese Reihenfolge hilft, die Fristen im Blick zu behalten.
Schritt 1: Erste Tage, Sofortschritte und Unterlagen
Die Sofortschritte beschreibt der oben verlinkte Leitfaden. Sichten Sie Notfallordner, Vollmachten und Verträge.
Schritt 2: Erste zwei Wochen, Nachlass erfassen
Erfassen Sie Aktiva und Passiva, wie im Abschnitt zum Nachlassverzeichnis beschrieben.
Schritt 3: Vor Ablauf der Ausschlagungsfrist, Annahme oder Ausschlagung entscheiden
Bei Überschuldung kommt eine Ausschlagung in der Form des § 1945 BGB in Betracht. Bei unklarer Lage lassen Sie sich vor Fristablauf beraten.
Schritt 4: Nach der Entscheidung, Erbnachweis klären
Den Erbschein erteilt das Nachlassgericht dem Erben auf Antrag als Zeugnis über sein Erbrecht und, wenn er nur zu einem Teil berufen ist, über die Größe des Erbteils (§ 2353 BGB). Ob schon der Antrag als Annahme gilt, beantwortet § 1943 BGB nicht; das bleibt eine offene Prüffrage. Klären Sie vorher, welche Stelle welchen Nachweis verlangt.
Schritt 5: Binnen drei Monaten nach Kenntnis von dem Anfall, Anzeige beim Erbschaftsteuer-Finanzamt
Prüfen Sie anhand des Abschnitts zur Anzeige, ob sie nötig ist, und reichen Sie sie schriftlich ein. Eine Erklärung folgt, wenn das Finanzamt sie verlangt.
Schritt 6: Immobilien und Betriebsvermögen bewerten
Prüfen Sie bei Grundbesitz, ob sich ein niedrigerer gemeiner Wert nach § 198 BewG nachweisen lässt. Dokumentieren Sie bei Unternehmen Lohnsummen und Behaltensfrist nach § 13a ErbStG.
Schritt 7: Erbengemeinschaft auseinandersetzen
Prüfen Sie vor einer Teilung, ob Übertragungen auf Miterben die Befreiungen für Familienheim oder Betriebsvermögen berühren (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c, § 13a Abs. 5 ErbStG).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was passiert, wenn ich die Ausschlagungsfrist verpasse?
Mit Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB). Ist die Annahme anfechtbar, gilt die Anfechtungsfrist des § 1954 BGB; ob und aus welchen Gründen eine Anfechtung in Ihrem Fall möglich ist, ist hier nicht ausgewertet.
Muss ich den Erwerb auch unter dem Freibetrag anzeigen?
§ 30 Abs. 1 ErbStG knüpft die Anzeige an jeden der Erbschaftsteuer unterliegenden Erwerb und nennt selbst keine Wertgrenze. Ob ein Erwerb unter dem Freibetrag anzuzeigen ist, ist hier nicht abschließend ausgewertet und bleibt eine Frage für die Beratung; die Ausnahmen nach Abs. 3 stehen im Abschnitt zur Anzeige.
Kann das Familienheim steuerfrei vererbt werden?
Unter den Voraussetzungen des § 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG (Ehegatte, Lebenspartner) und der Nr. 4c (Kinder, Kinder verstorbener Kinder) kann der Erwerb steuerfrei bleiben. Alle Bedingungen, die Wohnflächengrenze für Kinder und den Wegfall innerhalb von zehn Jahren nennt der Abschnitt zum Familienheim.
Wie hoch ist die Erbschaftsteuer bei einem normalen Erbfall?
Das hängt von der Steuerklasse und vom Wert des steuerpflichtigen Erwerbs nach Abzug der Freibeträge ab. Nach § 19 Abs. 1 ErbStG gelten in Steuerklasse I 7 bis 30 Prozent, in Steuerklasse II 15 bis 43 Prozent und in Steuerklasse III 30 bis 50 Prozent. Eine Schätzung bietet der Erbschaftsteuer-Rechner.
Wer haftet für Nachlassverbindlichkeiten?
Der Erbe; auf den Nachlass beschränkt sich seine Haftung, wenn eine Nachlassverwaltung angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist (§ 1975 BGB). Wie weit Erben ohne eine solche Maßnahme haften, ist hier nicht ausgewertet; klären Sie das bei unklarer Lage vor Ablauf der Ausschlagungsfrist.
Nächste Schritte
Quellen, Annahmen und Grenzen:
- Quellen: amtliche Fassungen auf gesetze-im-internet.de, Abruf siehe Rechtsstand oben: §§ 1922, 1937, 1943, 1944, 1945, 1954, 1975, 2032, 2042, 2303 und 2353 BGB, §§ 10, 13, 13a, 13b, 14, 15, 16, 19, 30, 31 und 33 ErbStG, §§ 151 und 198 BewG, § 35 GBO.
- Annahmen: Es gilt deutsches Recht. Freibeträge und Beispiel setzen unbeschränkte Steuerpflicht voraus.
- Nicht ausgewertet und deshalb offen: Anfechtungsgründe; ob einzelne Handlungen oder ein Erbscheinsantrag als Annahme gelten; Erbenhaftung ohne Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz; ob ein Erwerb unter dem Freibetrag anzuzeigen ist und welche Folgen eine versäumte Anzeige hat; welche Nachweise Banken statt eines Erbscheins akzeptieren; Kostenverzeichnis des GNotKG (deshalb keine Gebühren); §§ 2 und 37 ErbStG, § 1371 BGB, die Bewertungsverfahren nach §§ 179, 182 bis 196 BewG; Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen.
- Beratungsgrenze: Dieser Leitfaden gibt den Gesetzeswortlaut allgemein wieder. Er ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung und sagt keine bestimmte Steuerfolge zu.
Jeder Erbfall ist anders. Verwandtschaftsgrad, Nachlasszusammensetzung, vorhandene Verfügungen und internationale Bezüge prägen die Folgen. Ein Steuerberater mit Schwerpunkt Erbschaftsteuer kann Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bevor Fristen ablaufen.
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